PORTRAIT
Ammerlands rasende Reporterin
Hildburg Brunken feiert dieses Jahr 25 -jähriges Jubiläum als freie Redakteurin.

Was der fiktive Charakter Karla Kolumna, die rasende Reporterin des Hörspielklassikers Benjamin Blümchen, für Neustadt ist, ist Hildburg Brunken für das Ammerland. Seit genau 25 Jahren arbeitet sie freiberuflich für die Nordwest-Zeitung. Ein guter Grund, sich jetzt mal die Person hinter den Geschichten aus dem Ammerland genauer anzuschauen.
Wie alles begann
Die Angestellte im kirchlichen Dienst der evangelisch-lutherischen entdeckte quasi durch Zufall eine Anzeige in der NWZ, dass freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesucht werden, auf die sie sich bewarb. „Mit dem Alma-Rogge-Tag am 24. Juli 2000 fing alles an. Das war mein erster Einsatz. Ich dachte immer, ich würde viele Leute kennen, aber dort hat es sich angefühlt, als kenne ich niemanden“, erzählt Hildburg Brunken. Seither hat sich viel verändert, jetzt ist sie als Lokalreporterin nicht mehr wegzudenken, ist unheimlich gut vernetzt, hat unzählbar viele Artikel geschrieben und Geschichten gehört. Heute ist die zweifache Mutter und dreifache Oma, die weiterhin hauptberuflich im kirchlichen Dienst war, zwar Rentnerin, aber ans Aufhören ist nicht zu denken: „Das war schon immer meine Leidenschaft. Ich interessiere mich einfach für Menschen, Geschichten, Ereignisse und das öffentliche Leben und dafür, es auf Papier zu bringen. Ich habe Spaß an jeder neuen Geschichte“, sagt Hildburg. Seit 2003 schreibt sie für den Bereich der Sonderthemen und kümmert sich um die NWZ-Beilagen Moin Bad Zwischenahn, Moin Westerstede und das Gemeindejournal Apen.
Das Beste am Ammerland sind die Menschen
Und Geschichten erlebt sie so einige. Eine Story, die sie bis heute noch heute überrascht, wenn sie daran zurückdenkt, beschreibt sie wie folgt: „Vor etwa sechs oder sieben Jahren war ich abends in Tange zu einem Zeitungstermin. Schon auf der Hinfahrt hatte ich in Augustfehn an der Tankstelle gesehen, dass Benzin gerade sehr günstig war und dachte mir, wenn der Preis auf der Rückfahrt noch so ist, dann tanke ich. So war es dann und ich habe vollgetankt. Als ich den Tankdeckel wieder draufgeschraubt hatte und zum Bezahlen rein ging, merkte ich, dass ich kein Portemonnaie dabei hatte, also auch keine Papiere, dass ich mich ausweisen konnte. Das habe ich dem Tankwart dann erklärt. Hinter mir kam ein mir unbekannter Mann rein, der auch getankt hatte. Er sagte: ‚Ich zahle den Betrag mit‘. Das hat mich total überrascht und ich war sehr dankbar. Er hat mir seine Kontonummer gegeben und ich habe den Betrag noch am gleichen Abend überwiesen“. Genau das ist es, was Hildburg an dem Ammerland am meisten schätzt – die Menschen, die bodenständig und vertrauenswürdig sind. Allein der Zusammenhalt in den Dörfern demonstriert diese Art sehr gut, denn „wenn Aktionen anstehen, dann ist die Unterstützung von freiwilligen Helferinnen und Helfern sehr hoch, weil das Wir-Gefühl eine besonders große Rolle spielt“, erzählt Hildburg weiter. „Außerdem liebe ich das Radwegenetz und die Natur im Ammerland sehr“, schwärmt sie. Mit Sicherheit sind das einige Gründe dafür, warum Sie das Ammerland nie verlassen hat.
„Bei uns galt die Devise: alle zusammen“
Das Ammerland und insbesondere Hildburgs Herkunft haben sie am meisten geprägt. Aufgewachsen ist die gebürtige Goelriehenfelderin auf einem landwirtschaftlichen Vollerwerbshof. Sie als mittleres Kind und ihre beiden Geschwister mussten altersentsprechend sowohl auf dem Feld als auch im Stall mithelfen. Auch wenn ihr die Stallarbeit Spaß gemacht hat, konnte sie die Arbeit als Kind weniger wertschätzen als diese Erfahrungen heute: „Vieles hat Spaß gemacht und vieles war ätzend, aber das gemeinsame Erleben der Dinge, wie auf dem Feld gemeinsam Vesper zu halten oder am Abend über die Arbeit zu reden, das hat mich stark geprägt“, schildert sie. Weiter ergänzt sie: „Meine Eltern haben viel Vertrauen in uns Kinder gesetzt. Ich durfte als kleines Kind schon Trecker fahren, obwohl ich mit den Füßen noch gar nicht an die Pedale kam – das war einfach toll“.
Der Blick in die Zukunft
Vielleicht ist das auch der Grund, warum Hildburg eigentlich nicht aus der Ruhe zu bringen ist. Was sie nicht ändern kann, das nervt sie auch nicht. Auch am Ammerland kann sie nichts Negatives finden. Jede der sechs Gemeinden hat ihre eigene Veranstaltungsreihen, die man Hildburgs Meinung nach mal erlebt haben sollte. Man könnte meinen, dass es ihr schwerfiele, einen Lieblingsort im Ammerland zu benennen, aber „jetzt im Sommer mag ich meinen Balkon, auf dem die Blumen richtig üppig blühen am liebsten“, sagt sie. Wer so viel unterwegs ist wie Hildburg, ist auch einfach mal froh, zu Hause zu sein. Das Einzige, was sie sich für die Zukunft wünscht, ist zufrieden und gesund älter zu werden, mit Freude am Leben teilzuhaben, zu reisen und weiterhin interessante Geschichten zu recherchieren, zu schreiben und neue Kontakte im Ammerland zu knüpfen. Ich bin mir sicher, liebe Hildburg, dass du dir diese Wünsche erfüllen wirst und hoffe, dass du auch die nächsten Jahre unsere rasende Reporterin aus dem Ammerland bleibst.
Von Ellen Leipelt