PORTRAIT
Im Wohnzimmer der Natur
Günter Diekmann hat zusammen mit dem Team DI in Augustfehn eine Fotodokumentation der Flora und Fauna der Gemeinde Apen herausgebracht.

Günter Diekmann ist ein Mensch, der viele Geschichten erzählen kann. Er lebt seit über 50 Jahren in Augustfehn, hat hier einiges erlebt, kennt sie alle, die Gesichter der Gemeinde und Wege durch den Ort.
34 Grad sengende Hitze am Aper Tief, Deutschlands größtem Süßwasserwatt. Günter Diekmann steht mit seiner Kamera am Ausdeichungsgebiet und sucht das Watt nach Tieren ab. Es ist Ebbe, die Wasservögel waten durch die Sandbänke und suchen nach Futter. So viele Wasservögel wie hier gibt es nirgends im Ammerland.
Günter Diekmann und Augustfehn
Der frühere Handelsvertreter war Mitglied im Gemeinderat und im Verein Freizeit- und Kulturkreis Bokel-Augustfehn e.V., der sich vor ein paar Jahren auflöste. In seinem Haus, nahe des Bahnhofs, legt er zwei Bücher auf den Tisch. Jahresdokumentationen des Vereins. Dicke Schinken voller Zeitungsartikel, Programmpunkten, Projektbeschreibungen und Protokollen. „Wenn ich etwas mache, kann man sich darauf verlassen“, sagt er und deutet auf die Liste der Freizeitaktivitäten, die der Verein im Jahr 1981 angeboten hat. Günter Diekmann gerät ins Plaudern und erzählt von Fallschirmaktionen, gekauften Feuerwehrautos und Lokomotiven. Letztere steht noch heute als Dekoration am Kreisverkehr an der Stahlwerkstraße.
Als der Bürgermeister ihn fragte, ob er Lust hätte ein paar Fotos für die Gemeinde zu schießen, um die Flora und Fauna Augustfehns festzuhalten, sagte er sofort zu. „Ich hatte eine Kamera und fing bei mir im Garten an zu fotografieren. Im Laufe der Zeit kam immer mehr Ausrüstung dazu und ich habe mich mit Georg Wilts, Michael Greilich und Matthias Adam zum Team DI zusammengetan. Wir haben unsere tausenden Fotos in einen Topf geworfen und angefangen zu kategorisieren“, erzählt Diekmann.
Das Aper Tief
In dem Ausdeichungsgebiet rund um das Aper Tief leben aufgrund der guten Bedingungen erstaunlich viele Wasservögel. Es handelt sich hierbei nämlich um das einzige Süßwasserwatt des Nordwestens. 2005 entstand aus Hochwasserschutzgründen eine 40 Hektar große Retentionsfläche für Überschwemmungen durch die Verlegung des Deichs. Das Naturschutzgebiet sowie die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen sind beliebte Brut- und Nistplätze für Wasservögel. Trotz der idealen Bedingungen nimmt die Artenvielfalt der Gemeinde Apen und der angrenzenden Regionen stetig ab. Das Team DI hat es sich zur Aufgabe gemacht die heimischen Arten der Gemeinde Apen für die Nachwelt zu dokumentieren und die Brut zu schützen. Die gute Zusammenarbeit mit den Landwirten und den Mitarbeitern des "Gelegeschutzprojekt Aper Tief" erleichterte dem Team die Arbeit. Um vier Uhr morgens sind sie unterwegs, wandern durch taubedeckte Maisfelder und markieren Nester mit Fähnchen oder stülpen große Drahtkörbe über sie, um sie vor Raubtieren zu schützen. Neben den Wasservögeln fotografieren sie auch die Pflanzenwelt Augustfehns sowie alle anderen Tiere, die sie in der Gemeinde finden können: Wildtiere, Kühe, Pferde, Schweine.




Die Fotodokumentation
Aus diesem Projekt ist heute ein digitaler Fotoband namens „Im Wohnzimmer der Natur“ geworden, den jeder auf der Internetseite des Ortsvereins Augustfehn e.V. einsehen kann (https://ortsverein-augustfehn.de/im-wohnzimmer-der-natur“. Auf der Webseite von Diekmann selber ist weitreichendes Videomaterial zu den unterschiedlichen Arten dokumentiert (https://www.guenter-diekmann.de/index.php/home/). Mit Sicherheit werden diese Fotos und Videos nicht die einzigen bleiben, die Günter Diekmann noch machen wird. Hier steht er nun mit seinem Teleobjektiv, an seinem Lieblingsort im Ammerland und blickt ins Watt. Er liebt die Tierwelt und die Flächen, die Natur und Mensch einen. Ganz norddeutsch antwortet er auf die Frage, was ihm am Ammerland denn nerve, mit: „Tja“ und einer langen Pause.
